Hallo Zusammen,

nach nunmehr einmonatiger Wartezeit geht die Version 1.0 und damit die neue Fachschaftsseite der Studiengänge „War and Conflict Studies“ & „Military Studies“ an den Start. Ziel des Blogs wird in den kommenden Wochen und Monaten Euch über alle relevanten Themen des Studiengangs sowie bevorstehende Veranstaltungen und die Arbeit eurer Fachschaft auf dem laufenden zu halten.

Damit der Blog eine entsprechende Qualität erlangt und möglichst breit unsere Themenfelder abbildet, ist auch eure Mitarbeit gefragt. Habt ihr Hinweise auf Veranstaltungen, Links zu interessanten Artikeln oder selber eine Idee für einen Beitrag? Dann her damit oder einfach selber schreiben…  Schickt einfach eine E-Mail an:

warandconflictstudies.potsdam@gmail.com.

Die Adresse des neuen Blogs lautet:

warandconflictstudies.wordpress.com

In diesem Sinne einen guten Start in das neue Semester!

Der Fachschaftsrat

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Förderpreis 2017 für Militärgeschichte und Militärtechnikgeschichte

Der Förderpreis dient der Auszeichnung herausragender wissenschaftlicher Arbeiten und damit der Förderung junger wissenschaftlicher Talente in den vorgenannten Wissenschaftsgebieten. An Preisgeldern stehen über 12.000 Euro zur Verfügung. Preise werden für die besten eingereichten wissenschaftlichen Arbeiten in deutscher Sprache (Diplom-, Masterarbeiten, Dissertationen, Habilitationsschriften und vergleichbare Untersuchungen) zuerkannt, die in den Jahren 2016/17 abgeschlossen und bis zum 31. März 2017 (Datum des Poststempels) eingereicht werden.

Für weitere Informationen siehe die Ausschreibung oder im Internet hier.

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CfA Summer School 2016: Strategiefindung in Zeiten sicherheitspolitischer Krisen

Liebe alle,

vom 5. bis zum 17. September veranstaltet das Zentrum Informationsarbeit Bundeswehr (ZInfoABw), dieses Jahr in Kooperation mit der Universität Heidelberg (Professur für Internationale Beziehungen und Außenpolitik, Institut für Politische Wissenschaft), wieder eine Summer School. Der vollständige Titel lautet „Meeting the Challenges – europäische und transatlantische Strategiefindung in Zeiten sicherheitspolitischer Krisen“.

Die Veröffentlichung des Weißbuches, die Europäische Sicherheitsstrategie und der NATO-Gipfel in Warschau werden in diesem Sommer die europäische sicherheitspolitische Diskussion bestimmen – es werden die Weichen für die nächsten Jahre gestellt.

Während Einige zwischenstaatliche Konflikte in Europa wieder für möglich halten, erreicht der internationale Terrorismus mit dem Erstarken des sog. „Islamischen Staats“ eine neue Dimension. Die Anschläge von Paris, Istanbul und Brüssel zeigen, dass der Konflikt sich dabei nicht auf den Raum in Syrien und den Irak beschränkt. Gleichzeitig stellen Flucht und Migration Europa, aber auch viele Staaten des Nahen Ostens vor große ökonomische, soziale und sicherheitspolitische Probleme. Wie die westliche Staatengemeinschaft auf Herausforderungen wie diese reagiert steht im Zentrum der zweiwöchigen Summer School des Zentrums Informationsarbeit.

Bewerben können sich Studierende aller Fachrichtungen ab dem dritten Fachsemester mit ausgeprägtem Interesse an sicherheitspolitischen Fragestellungen. Ein Leistungsnachweis kann erworben werden. Bewerbungsschluss ist der 15.07.2016. Weitere Informationen sowie das Bewerbungsformular finden sich auf dem Internetauftritt des ZInfoABw hier.

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Tagungsbericht 57. Internationale Tagung Militärgeschichte „Materialschlachten 1916. Ereignis, Bedeutung, Erinnerung“

Die alljährliche Internationale Tagung für Militärgeschichte (ITMG) vom Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr (ZMSBw) fand dieses Jahr in Zusammenarbeit mit dem französischen Institut Service Historique de la Défense (SHD) vom 18. bis 21. April 2016 in Trier statt. Anlässlich des einhundertsten Jahrestages der Schlacht von Verdun standen die Ereignisse rund um diese sowie weitere „Materialschlachten“ während des Ersten Weltkrieges im Mittelpunkt der Tagung.

Die Veranstaltung wurde durch Olaf Jessen eingeleitet. Er ging der Frage nach, ob Verdun eine Ermattungs- oder Vernichtungsschlacht gewesen war. Die Geschichte von Verdun war lange vom Narrativ geprägt, dass die Schlacht nur den Zweck gehabt hatte, die französische Armee ausbluten zu lassen. Aber Jessen konnte zeigen, dass Erich von Falkenhayn den Mythos des „Weißblutens“ selbst in die Welt gesetzt hatte. Er erfand und druckte die „Weihnachtsdenkschrift“ in seinen Memoiren, um vom Scheitern seiner eigentlichen Strategie abzulenken.

Der zweite Tag stand ganz im Zeichen einer internationalen Untersuchung der Materialschlachten 1916. Die Redner aus Großbritannien, Frankreich und Deutschland haben gezeigt, dass die wissenschaftliche Debatte über den Großen Krieg in den jeweiligen Ländern unterschiedliche Schwerpunkte ausbildete. In Frankreich dominiert die Frage nach der Motivation der Soldaten – Zwang oder Hass – während man in England das militärische Lernen untersucht. Deutlich wurde aber auch, dass eine moderne Operationsgeschichte noch auf sich warten lässt – die Vorträge orientierten sich oft an einer rein deskriptiven Betrachtung der Schlachten und des Materials.

Methodisch und thematisch interessant präsentierte sich der dritte Tag, welcher das „Kriegserlebnis“, den „Kriegsalltag“ sowie die „Erinnerungskulturen“ in den Kriegsländern in den Fokus stellte. Ralf Vollmuth besprach den deutschen Sanitätsdienst und zeigte, dass die Verwundeten mit steigender Entfernung von der Front durch die Ärzte immer abstrakter, als „Menschenmaterial“, betrachtet wurden. An der Front jedoch, wo das Leid am deutlichsten zu erfahren war, sahen sich diese noch als Helfer und nicht als „Reparaturdienst“. Den Abschluss der Tagung bildete der Vortrag über „Gegenwartskunst und Erster Weltkrieg“ von Martin Bayer. Auch hier wurden wieder Unterschiede der Länder deutlich. Während „Kriegskunst“ in England auch im öffentlichen Raum ausgestellt wird, stoßen Künstler in Deutschland auf wenig Resonanz. Nur aufgrund des hundertsten Jahrestages war es Einzelnen möglich, die Dominanz des Zweiten Weltkrieges in der deutschen Erinnerungskultur zu durchbrechen.

Zum Abschluss der Tagung haben die Organisatoren noch ein Highlight eingeplant – eine Battlefield-Tour auf dem historischen Schlachtfeld von Verdun. Bereits um 6.30 Uhr starten die Tagungsteilnehmer in insgesamt drei Bussen nach Nordfrankreich. Am historischen Ort angekommen begann das vollgepackte Tagesprogramm mit der Begrüßung durch Colonel Perez vom SHD, an den sich ein kleiner Empfang anschloss. Im Anschluss daran galt es, vier Stationen auf dem weiträumigen Gelände des Schlachtfeldes von Verdun zu besichtigen.

Den Anfang machte das Fort de Vaux, welches 1916 erst nach tagelangen Kämpfen durch die deutschen Angreifer eingenommen werden konnte. Im Fort erhielt die Gruppe eine rund 45-minütige Führung, in der die Geschehnisse des Jahres 1916 anschaulich vermittelt wurden. Im Anschluss bestand noch die Möglichkeit, das Fort kurz von oben zu besichtigen und die noch heute sichtbaren Zerstörungen der Anlage und des Umlandes zu begutachten.

Die zweite Station der Tour war das bekannte Fort Douaumont. Auch hier erhielt die Gruppe eine fachkundige Führung durch das mehrgeschossige, feuchte Gemäuer. Die anschauliche Demonstration von Artillerielärm und die bildlichen Darstellungen der damaligen Zustände beeindruckten die Teilnehmer der Tour sichtlich. Auch hier bestand im Anschluss an die Führung noch die Möglichkeit, das Schlachtfeld von Verdun vom „Dach“ des Forts zu überschauen. Auch hier zeigte sich wieder die, bis heute sichtbare, nachhaltige Zerstörung der ehemaligen Landschaft rund um Verdun.

Die vorletzte Station bildete dann das Memorial, welches mit Blick auf das diesjährige Gedenkjahr in den letzten Jahren erst umgebaut wurde. In diesem Atemzug wurde auch die Ausstellung grundlegend überarbeitet und neu gestaltet. Zu sehen ist jetzt eine moderne Ausstellung zur Schlacht von Verdun, nicht nur aus französischer, sondern auch aus deutscher Sicht. Leider reichte das knappe Zeitfenster nicht aus, die Ausstellung in ihrem ganzen Umfang richtig zu erschließen.

Zum Abschluss stand noch das sogenannte Beinhaus auf dem Programm. Dieser Ort, der selbst inzwischen Geschichte geschrieben hat, beeindruckte sowohl durch seine äußere Gestalt, als auch durch sein Inneres. Ein Platz der Andacht und Erinnerung, an dem die Gebeine von über 130.000 nicht identifizierten französischen und deutschen Soldaten aufbewahrt werden. Es bildete einen gelungenen Abschluss der Battlefield-Tour.

Insgesamt zeichnete sich die Tagung durch ihre Verbindung und Gegenüberstellung unterschiedlicher Perspektiven auf die Ereignisse von 1916 aus. Das Programm war inhaltlich vielschichtig, teilweise aber auch etwas überladen. Gerade für Diskussionen blieb leider nicht immer genug Raum. Insgesamt hat sich der Besuch der Tagung aber gelohnt.

Bericht von Thorsten Peger, Peter Schuld, Carsten Siegel

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Tagungsbericht „Krieg und organisierte Gewalt im Computerspiel“, 26. bis 28. November 2015, Chemnitz

Unter dem Titel „Krieg und organisierte Gewalt im Computerspiel. Militärhistorische Narrative, Räume und Geschichtsbilder“ fand vom 26. bis 28. November 2015 die Jahrestagung des Arbeitskreises Militärgeschichte e.V. an der TU in Chemnitz statt.

Der Bochumer Historiker Martin Clauss machte bereits in seinen einführenden Worten deutlich, dass der Auseinandersetzung mit Geschichtsbildern in der akademischen Welt eine wichtige Rolle zukommt und leitete so zu den Theorien und allgemeinen Zugängen zur Militärgeschichte in Computerspielen über. In der Diskussion nach Redebeiträgen von Prof. Peter Ohler, Dr. Christoph Salge und des Spieldesigners Alexander Flegler wurde deutlich, dass die Einbindung historischer Ereignisse in Computerspiele mit dem Problem der oft dünnen Quellenbasis konfrontiert ist, was wiederum ein Grund für die stark variierenden Historizitäts- und Authentizitätsgrade – eine im Verlauf der Tagung immer wieder aufkommender Thematik – der Darstellung von Landschaften, Waffen oder Personen sei.

Dr. Georg Valtin charakterisierte Computerspiele als Mittel kontrafaktischen Denkens. Die Frage „Was wäre, wenn?“ im Spielverlauf selbst erproben zu können, biete nicht nur Erkenntnisse über die Wichtigkeit von Ereignissen und Personen, sondern fördere zugleich das Interesse an historischen Themen. Trotz der Bemühungen um möglichst realitätsnahe Darstellungen von Schlachtverläufen und historischer Ereignisse seitens der Entwickler war jedoch allgemeiner Konsens, dass Computerspiele in erster Linie lukrative Unterhaltungsprodukte und weniger Instrumente der gezielten Wissensvermittlung sind.

Am zweiten Tag ging als erstes Heiko Brendel der Frage nach, ob die Datensätze der Spieleentwickler, die teilweise durch umfangreiche Archivrecherchen gewonnen werden, auch für die Geschichtswissenschaft von Nutzen sein könnten. In diesen Datenbanken würden nämlich zum Teil erstmals historische Wissensbestände erschlossen. Andererseits könnten solche Erkenntnisse jedoch nur schwer mit einem wissenschaftlichen Maßstab überprüft werden.

Danach referierte André Posters über das Geschichtsbild in Globalstrategiespielen. Durchweg seien hier eurozentrische Sichtweisen des 19. und 20. Jahrhunderts und Geschichtsbilder des Fortschrittes bzw. des Überlegenheitsgedankens der westlichen Kulturen verarbeitet. Die Fiktion einer Geschichte des „historischen Sandkastens“ stehe im Vordergrund, welche die Faszination der Spielkonzepte ausmache und einen entscheidenden Reiz zum Erwerb liefere.

Als Kontrast zu seinem Vorredner und zur Mehrheit der vorgestellten Spielkonzepte berichtete anschließend Dr. Julian Kümmerle über „Valiant Hearts“. Dieses Spiel verarbeitet die Geschichte des Ersten Weltkrieges mit einem Konzept der Empathie und dem Fokus auf die Lebenswelten der Kriegsteilnehmer. Aber anders als vermutet, ließe sich auch mit den vielen Zeitzeugnissen und persönlichen Überlieferungen nur der Anschein von Authentizität herstellen, da an vielen Stellen die Konstruktion der Entwickler hervorbreche.

Schließlich lenkte Prof. Stefan Piasecki den Blick wieder auf die Seite der Computerspieleentwickler, deren Überlegungen zur Konzeption oftmals auf das Interesse der Gamer und somit den ökonomischen Erfolg gerichtet seien. Die Spieler sollen als Teilnehmer einer bedeutenden und großen Auseinandersetzung emotional mitten ins Geschehen katapultiert und mittels „Big Pictures“ regelrecht gefesselt werden. Die Kombination zwischen technisch Möglichem, spielerisch Attraktivem und faszinierend Neuem bzw. Exotischen präge die Computerspiele von ihrer Konzeption bis hin zu den Modifikationen.

In seiner Vorstellung der Spiele „Total War: Rome“ I & II zeigte Dr. Christian Rollinger, wie in diesen Spielen Phantasmagorien und vermeintliche Authentizität aufeinander treffen. Denn neben historisch akkuraten Darstellungen von Uniformen finden sich auch Elemente, die nur spärlich belegt oder gar eindeutige Erfindungen sind, wie etwa Druidenbataillone oder brennende Schweine, die gegen Elefanten eingesetzt werden. Rollinger sprach von „inszenierter Authentizität“, da akkurat dargestellte Details als Garant für wahrgenommene historische Korrektheit fungierten. Durch stilistische Übertreibungen von antiken Erzählungen (z.B. nackt kämpfenden Germanen) werde das Geschichtsbild des Durchschnittsspielers angesprochen, welcher vor allem atmosphärisch in die Zeit zurückversetzt werden wolle.

Zu einem ähnlichen Befund gelangten auch Janko Dunker, Benjamin Dupke, Stefanie Reinhold und Coretta Storz, welche die Darstellung der Schlacht von Hastings im Spiel „Medieval 2: Total War“ untersuchten. Sie sprachen von bestimmten „Mittelalterchiffren“, welche aufgegriffen werden, um eine „Kulissenauthentizität“ zu schaffen.

Im letzten Vortrag über den „Kalten Krieg-Diskurs in digitalen Spielen“ referierte Dr. Eugen Pfister von der Funktion der Geschichte im Spiel vor allem als „Marke“. Diese habe die Funktion, dem Kunden als Orientierungshilfe zu dienen, sodass er gezielt kaufen könne.

Der letzte Tag begann mit einem Vortrag von Tim Kucharzewski, der gerade seinen Masterabschluss in unserem Studiengang Military Studies erhalten hat. Er widmete sich der Frage, wie kriminelle bzw. terroristische Vereinigungen das Medium Videospiel nutzen, um Propaganda an ein für sie interessantes Publikum zu richten und welche Motivationen dahinter stehen. Es wurde deutlich, dass es sich dabei um frei erhältliche Videospiele handelt, die modifiziert werden, wodurch sich ihre grundlegenden Narrative und Rollen umkehren.

Die Literaturwissenschaftlerin Daniela Kuschel referierte anschließend über den spanischen Bürgerkrieg im Spiel „Sombras de guerra: la Guerra Civil Española“. Hierbei konzentrierte sie sich auf die Möglichkeit des Kontrafaktismus, indem man beispielsweise die republikanische Seite den Konflikt gewinnen lassen kann, aber auch auf die noch in ihren Anfängen befindliche Aufarbeitung der franquistischen Diktatur in Spanien. Diese Problematik ließe sich auch an der Rezeption des Spiel in zwei opponierenden Lagern belegen.

Abschließend beschrieb Carolin Wendt Möglichkeiten, die sich in der Strategiespielreihe „Civilization“ eröffnen, um das Spiel ohne militärisches Vorgehen zu gewinnen. Hierbei erweiterten die Entwickler die Reihe im Laufe der Jahre um immer ausgeklügeltere Systeme der Diplomatie.

Die finale Diskussion der Tagung drehte sich erneut um Themen wie Ethik und Moral in Videospielen, und ob im Zweifel die „Durchsetzung“ dieser kontrolliert werden könne und inwiefern Möglichkeiten bestünden, das Wirken der in den Videospielen kolportierten Geschichtsbilder auf die Rezipienten zu messen und auszuwerten. Insgesamt wurden bei der Tagung mehrere interessante Ansätze für die Untersuchung der bislang wenig beachteten Darstellung von organisierter Gewalt in Computerspielen aufgezeigt, wenngleich mehr Fragen aufgeworfen wurden, als am Ende ausführlich behandelt werden konnten.

Bericht von Rebecca Burkert, Maximilian Marder, Thorsten Peger, Martin Schröder

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Tagungsbericht „Militär und Zeit in der frühen Neuzeit?“, 10. / 11. September 2015

Am 10 und 11. September 2015 fand an der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf eine Tagung zum Thema „Militär und Zeit in der frühen Neuzeit?“ vom Arbeitskreis Militär und Gesellschaft in der frühen Neuzeit statt. Der folgende Tagungsbericht bezieht sich nur auf den zweiten Tag.

Der Tag begann mit einem Vortrag, ausgearbeitet von Anke Fischer, die leider nicht persönlich anwesend sein konnte, aber kompetent vertreten wurde. In dem Vortag „,Zeit-Not‘: Zeit als Problem und Instrument im Belagerungskrieg des 17. Jahrhunderts“ wurden am Beispiel vom (heute) belgischen Ostende die Probleme von Zeit bei Belagerungen erörtert. Mit anschaulicher Sprache verbildlichte Fischers Vortrag die Situation der Stadt Ostende im 17. Jahrhundert als eine Stadt, die bis zur beinahe vollständigen Vernichtung belagert wurde. Eine Belagerung zielte darauf ab, die Zeit der Überlebensfähigkeit einer Stadt zu minimieren, indem jegliche externen Zugänge blockiert wurden. Ohne Einfuhr von Lebensmitteln konnte eine Stadt im 17. Jahrhundert nur eine begrenzte Zeit lang überleben. Die Mechanismen, die zu der Belagerung führten und die notwendig waren, um die Belagerung von Ostende aufrecht zu erhalten, wurden deutlich gemacht.

Nach einer Kaffeepause folgte Sven Petersens Vortrag „Schleier der Nacht: Militärisches Handeln im Kontext von Nacht und Dunkelheit im 18. Jahrhundert“. Petersen formierte seinen Vortrag um die Belagerung Freiburgs im Breisgau 1713 und erläuterte anhand dieses Beispiels die Nutzung der Nacht und ihrer Attribute. Zuerst wurde herausgestellt, dass die Nacht in der Literatur, insbesondere in Augenzeugenberichten und Tagebüchern, negativ konnotiert wurde. Dies ließe sich mit der Aussage „alles schlechte und tödliche geschah des Nachts“ zusammenfassen. Genau dieser Satz beschreibt aber auch sehr gut die Vorteile der Nacht aus militärischer Perspektive. Die Nacht ist eine Zeit der militärischen Möglichkeiten: Es ist kalt, es ist dunkel, die Aufmerksamkeit schwindet, die Perzeptionsfähigkeit sinkt, die Verteidigungsmöglichkeiten sind geringer, die Müdigkeit ist hoch und die Stärke einer Armee verringert sich durch eine hohe Anzahl an schlafenden Soldaten. Selbstverständlich trifft all dies auch auf die angreifende oder belagernde Streitkraft zu. Aber: Wer den Angriff in der Nacht plant, kann sich dementsprechend strategisch darauf vorbereiten und Vorkehrungen treffen. Angriffe während einer Belagerung wurde oft nachts ausführt. Die Dunkelheit hat Truppenbewegungen verdeckt und den Überraschungsmoment sichergestellt. Ein nächtlicher Angriff bedeutete zwar einen größeren Aufwand, war aber öfters von Erfolg gekrönt, als ein Angriff tagsüber.

Petersen ging des Weiteren auf die Frage von Deserteuren im 17. und 18. Jahrhundert ein. Im Falle der Belagerung von Freiburg 1713 gab es sowohl Soldaten, die von den Belagerern zu den Freiburgern überliefen, als auch umgekehrt. Auf welcher Seite es damals mehr Deserteure gab, bei den Angreifern oder bei den Verteidigern, hing maßgeblich vom Verlauf der Belagerung ab. Hatte es den Anschein, dass die Belagerung nicht mehr lange aufrecht erhalten werden konnte, so ergab es Sinn, zu den Freiburg überzulaufen. Deserteure suchten ebenfalls den Schutz der Nacht, um sich von ihrer Truppe abzusetzen; das Risiko erkannt und festgenommen zu werden war geringer. Außerdem hatte man mehr Zeit, sein Vorhaben umzusetzen, denn so wurde man erst beim morgendlichen Appell vermisst.

Der letzte Vortrag kam von Anja Schumann. Besonders interessant daran war die Aussage, wonach schon in der frühen Neuzeit die Annahme allgegenwärtig gewesen sei, dass sechs Stunden Schlaf pro Nacht in einem geregelten Rhythmus ideal sind. Die Nacht war – durch die Dunkelheit – dabei am attraktivsten für eine Ruhe- und Schlafphase. Wie wir aber bereits vorher gehört hatten, wurde die Nacht militärisch gerne anders genutzt. Es musste ein Schicht-Schlaf-System gefunden werden, das für eine konstante Abdeckung an Truppensoldaten im Lager sorgte. Das bedeutete auch, dass nicht jeder Soldat nachts immer sechs Stunden Schlaf bekommen konnte. Die Theorie wich also, schon damals, stark von der Praxis ab. Schlaf während der Dienstzeit wurde hart bestraft. Die Fähigkeit lange auf Schlaf verzichten zu können wurde als ehrbar und erstrebenswert wahrgenommen. Wachsamkeit wurde mit einer höheren Priorität ausgestattet als Schlaf. Obwohl Schumann ihre Thesen und Erkenntnisse auf ausgewählte Fallbeispiele stütze, sei darauf hingewiesen, dass diese Fallbeispiele nicht unbedingt eine generelle Aussage über Schlaf und Ruhe im Militär in der frühen Neuzeit zulassen. Als besonders erwähnenswert an diesem Punkt erscheint das Beispiel, dass Friedrich der Große seine Soldaten zum Schlafen schickte und dadurch eine Schlacht verlor, sowie die Verweise auf die Foltermethode des Schlafentzuges, welche (damals wie heute) gerne verwendet wurde.

Die Atmosphäre auf der Tagung war während des gesamten zweiten Tages, auf den sich dieser Bericht bezieht, durchweg freundlich, entspannt und fast ein wenig familiär. Die Referenten selbst scherzten während der Pausen, dass es sich anfühle wie bei einem „Klassentreffen der Militärgeschichte“, ohne auch nur im geringsten an Wissenschaftlichkeit einzubüßen. Der Besuch der Veranstaltung hat sich auf jeden Fall gelohnt und einen inhaltlichen Mehrwert geboten. Ein Besuch weiterer Tagungen des Arbeitskreises Militär und Gesellschaft in der frühen Neuzeit lässt sich empfehlen.

Bericht von Dina Nordhoff

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CfA Summer School 2015 „Demokratische Sicherheitspolitik“

Liebe Kommilitoneninnen und Kommilitonen,

vom 31. August bis zum 11. September veranstaltet das Zentrum Informationsarbeit Bundeswehr in Kooperation mit der Universität Potsdam die Summer School „Demokratische Sicherheitspolitik“. Die Veranstaltung richtet sich an Masterstudierende und Promovierende in geistes- oder sozialwissenschaftlichen Studiengängen mit einem Schwerpunkt in der Friedens- und Konfliktforschung, in den Security Studies sowie in Militärgeschichte oder -soziologie. Für unseren Studiengang besteht die Möglichkeit, eine erfolgreiche Teilnahme als Lehrveranstaltung für den Wahlbereich anrechnen zu lassen. Die Bewerbungsfrist wurde bis zum 31. Juli verlängert. Weitere Informationen sowie das Bewerbungsformular findet Ihr hier.

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